Zwei Zahlen umreißen die Spanne: Privatjet-Charter beginnt bei rund 2.000 € pro Stunde, der Kauf einer eigenen Maschine bei etwa 3 Millionen €. Nach oben ist beides offen, ein Ultra Long Range Jet kostet neu über 70 Millionen.
Was ein Privatjet wirklich kostet, hängt an drei Fragen: Wie groß muss der Jet sein, wie weit soll er fliegen, und wie oft nutzt du ihn im Jahr? Dieser Beitrag rechnet die drei Wege durch, die praktisch infrage kommen: chartern, kaufen oder Anteile halten.
Die Jet-Kategorien und ihre Charterpreise
Privatjets werden nach Größe und Reichweite in Kategorien eingeteilt. Je größer die Maschine, desto höher der Stundensatz.
| Kategorie | Passagiere | Reichweite | Charterpreis je Flugstunde |
|---|---|---|---|
| Very Light Jet | 4–5 | ca. 2.000 km | 1.800–3.000 € |
| Light Jet | 6–7 | ca. 3.000 km | 2.500–4.500 € |
| Midsize Jet | 7–9 | ca. 5.000 km | 3.500–6.500 € |
| Super Midsize Jet | 8–10 | ca. 6.500 km | 5.000–8.000 € |
| Heavy Jet | 10–16 | ca. 9.000 km | 5.500–9.500 € |
| Ultra Long Range | 12–19 | über 12.000 km | ab 10.000 € |
Der Very Light Jet ist die Einstiegsklasse, etwa eine Cessna Citation Mustang oder ein Embraer Phenom 100. Diese Muster fliegen kurze Strecken mit wenigen Personen und kommen auf kleine Flugplätze, die Airlines nicht anfliegen.
Der Light Jet deckt die typischen europäischen Geschäftsreisen ab. Ein Super Light Jet wie die Citation XLS schafft bereits eine beachtliche Reichweite, und kurze Strecken fliegen beide Klassen besonders wirtschaftlich.
Midsize Jet und Super Midsize sind der Standard für Langstreckenflüge innerhalb Europas und über den Atlantik in eine Richtung. Ein Heavy Jet fliegt interkontinental, die Kategorie Ultra Long Range verbindet Europa mit Asien ohne Zwischenstopp. Wer solche Langstreckenflüge regelmäßig plant, sollte die einzelnen Kategorien genau vergleichen.

Was im Charterpreis enthalten ist
Der Stundensatz deckt Flugzeug, Crew, Wartung, Versicherung und Treibstoff ab. Dazu kommen Posten, die je nach Strecke stark schwanken:
- Landing Fees und Handling am Start- und Zielflughafen
- Positionierungsflüge, falls der Jet erst anreisen muss
- Übernachtung der Crew bei mehrtägigen Aufenthalten
- Catering nach Wunsch
- Steuern und Gebühren je nach Land
Zwei Beispiele für realistische Preisbereiche: Einen Jet chartern von München nach London kostet in der Light-Klasse bei rund 1,5 Flugstunden meist 6.000 bis 9.000 € für die gesamte Maschine. Derselbe Weg München–London in der Heavy-Klasse liegt eher bei 15.000 €.
Der Preis gilt immer für das ganze Flugzeug, nicht je Person. Bei acht Reisenden relativiert sich der Vergleich zur Business Class deutlich.
Empty Legs: die günstigere Alternative
Empty Legs sind Leerflüge. Ein Jet, der Passagiere abgesetzt hat, muss zurück oder weiter zum nächsten Auftrag und fliegt diese Strecke ohnehin. Wer sie bucht, zahlt 30 bis 70 Prozent weniger.
Der Haken liegt in der Flexibilität: Termin und Route stehen fest, und der Flug kann kurzfristig entfallen. Für flexible Reisende ist das die mit Abstand günstigere Alternative, für einen festen Termin ist es nichts.
Angebote finden sich bei den Operatoren direkt oder über einen Aviation Broker. Ein Broker vergleicht mehrere Flotten und kennt die Services der einzelnen Anbieter.
Kaufen: Anschaffung und Betriebskosten
| Kategorie | Neupreis | Gebraucht |
|---|---|---|
| Very Light Jet | ab 3 Mio. € | ab 1,5 Mio. € |
| Light Jet | 8–12 Mio. € | ab 3 Mio. € |
| Midsize Jet | 15–25 Mio. € | ab 5 Mio. € |
| Heavy Jet | 30–50 Mio. € | ab 10 Mio. € |
| Ultra Long Range | 60–80 Mio. € | ab 20 Mio. € |
Der Kaufpreis ist dabei nur der Anfang. Eine eigene Maschine verursacht laufende Kosten, unabhängig davon, ob sie fliegt:
- Crew. Zwei Piloten sind Pflicht, bei größeren Mustern kommt Kabinenpersonal dazu. Die Piloten brauchen zudem regelmäßige Schulungen. Rechne mit einem hohen sechsstelligen Betrag jährlich.
- Hangar. Ein Stellplatz kostet je nach Flughafen und Größe 30.000 bis über 100.000 € jährlich.
- Wartung. Regelmäßige Checks nach festen Intervallen, dazu Rücklagen für Triebwerksüberholungen.
- Versicherung, Verwaltung, Schulungen.
Als Faustregel gilt: Die Fixkosten liegen jährlich bei 5 bis 10 Prozent des Anschaffungspreises, bevor der erste Kilometer geflogen ist. Das ist die wichtige Zahl, die viele Interessenten unterschätzen.
Wer gewerblich Passagiere befördert, braucht zudem ein Luftverkehrsbetreiberzeugnis. Das Luftfahrt-Bundesamt weist darauf hin, dass dieses AOC Voraussetzung für die Betriebsgenehmigung eines Luftfahrtunternehmens ist. Viele Unternehmen und private Halter geben ihre Maschine deshalb an einen Operator, der sie zwischen den eigenen Flügen verchartert. Diese Möglichkeit senkt die Fixkosten spürbar.

Privatjet oder Business Class?
Der Vergleich fällt anders aus, als die absoluten Zahlen vermuten lassen. Entscheidend ist, wie viele Personen mitfliegen und was die Zeit wert ist.
Ein Flug München–London kostet in der Business Class je nach Buchungszeitpunkt 400 bis 900 € je Person. Bei zwei Reisenden ist der Linienflug also unschlagbar günstig. Bei acht Personen liegen beide Varianten plötzlich in derselben Größenordnung, und der Jet gewinnt bei der Zeit.
Diese Posten sprechen für den Charter:
- Kein Vorlauf am Terminal. Anreise 15 Minuten vor Abflug statt zwei Stunden.
- Kleine Flugplätze. Ein Light Jet erreicht Ziele, die keine Airline anfliegt, und spart damit die Fahrt vom nächsten großen Flughafen.
- Mehrere Ziele am Tag. Drei Termine in drei Ländern sind im Linienverkehr kaum planbar.
- Arbeiten an Bord. Die Kabine ist ein geschlossener Raum, in dem vertraulich gesprochen werden kann.
Dagegen spricht neben dem Preis die Umweltbilanz: Je Passagier liegt der Ausstoß eines Jets um ein Vielfaches über dem eines besetzten Linienflugs. Für Unternehmen mit Klimazielen ist das inzwischen ein eigenes Argument in der Reiserichtlinie.
Ein weiterer Punkt, der häufig übersehen wird: Bei Charterflügen innerhalb Deutschlands fällt Umsatzsteuer an, bei grenzüberschreitenden Strecken gelten je nach Route abweichende Regeln. Die Angebote der Operator sind deshalb nicht immer direkt vergleichbar. Frag im Zweifel nach, ob der genannte Preis brutto oder netto ist und welche Gebühren bereits enthalten sind.
Was sich ab wann lohnt
Die Entscheidung hängt fast nur an den Flugstunden im Jahr:
| Nutzung | Sinnvolle Möglichkeit |
|---|---|
| bis 50 Stunden | chartern |
| 50 bis 200 Stunden | Fractional Ownership oder Jet Card |
| ab 200 Stunden | eigener Jet mit Operator |
Fractional Ownership bedeutet, einen Anteil am Flugzeug zu halten, typischerweise ein Achtel oder ein Sechzehntel. Du zahlst anteilig Kaufpreis und Fixkosten und rufst dafür ein festes Stundenkontingent ab.
Jet Cards funktionieren wie ein Guthaben: Du kaufst 25 oder 50 Flugstunden im Voraus zu einem garantierten Satz und buchst ohne weitere Verhandlung.
Wer selten und kurzfristig fliegt, fährt mit Privatjet-Charter am besten. Eine eigene Maschine rechnet sich erst, wenn sie regelmäßig in der Luft ist. Private Halter sollten deshalb ehrlich schätzen, wie oft sie im Jahr wirklich fliegen.
Häufige Fragen
Wie viel kostet ein Privatjet in der Anschaffung?
Zwischen etwa 3 Millionen Euro für einen Very Light Jet und über 70 Millionen für einen Ultra Long Range Jet. Gebraucht geht es deutlich günstiger.
Was kostet es, einen Privatjet zu chartern?
Je nach Kategorie 1.800 bis über 10.000 € pro Stunde, jeweils für das ganze Flugzeug.
Wie hoch sind die Betriebskosten pro Jahr?
Als Orientierung 5 bis 10 Prozent des Kaufpreises für Crew, Hangar, Wartung und Versicherung, bevor Flugstunden dazukommen.
Was kostet ein Flug von München nach London?
Im Light Jet meist 6.000 bis 9.000 € für die gesamte Maschine, im größeren Jet entsprechend mehr.
Was sind Empty Legs?
Leerflüge, die ohnehin stattfinden. Sie kosten 30 bis 70 Prozent weniger, sind aber an feste Termine gebunden.
Lohnt sich Kauf oder Charter?
Bis rund 50 Flugstunden pro Jahr ist Chartern günstiger. Ab etwa 200 Stunden trägt sich ein eigener Jet.
Wie viele Personen passen hinein?
Vier bis fünf im Very Light Jet, bis zu 19 in einem VIP Airliner.
Wie rechne ich Geschwindigkeiten aus Flugdaten um?
Über den Faktor für Knoten und Meilen. Die Formeln stehen im Beitrag zu 100 mph in km/h.
*Zuletzt aktualisiert: September 2026.*

