Das Paket liegt bei der Post, der Termin beim Amt kollidiert mit der Arbeit, die Mutter kann den Weg zur Bank nicht mehr selbst gehen. In all diesen Fällen brauchst du dasselbe Dokument: eine Vollmacht. Wer eine Vollmacht schreiben will, muss dafür weder zum Anwalt noch eine Vorlage kaufen. Ein paar klare Zeilen auf einem Blatt Papier reichen, wenn die richtigen Angaben drinstehen. Diese Anleitung führt dich in fünf Schritten zum fertigen Text, mit kostenloser Mustervorlage zum Ausdrucken, einer Übersicht der Vollmachtsarten und den Fällen, in denen es doch zum Notar gehen sollte.
Was eine Vollmacht rechtlich ist
Eine Vollmacht ist eine einseitige Willenserklärung: Du als Vollmachtgeber erlaubst einer anderen Person, dem Bevollmächtigten, in deinem Namen bestimmte Rechtsgeschäfte zu erledigen. Der Bevollmächtigte unterschreibt nichts, er nimmt die Vollmacht entgegen. Rechtsgrundlage ist § 167 BGB: Die Vollmacht wird durch Erklärung gegenüber dem Bevollmächtigten oder dem Dritten erteilt, und sie ist grundsätzlich formfrei. Eine mündliche Vollmacht ist also rechtlich möglich, im Alltag aber wertlos, weil niemand sie nachprüfen kann. Deshalb solltest du die Vollmacht immer schriftlich erteilen.
Schritt 1: Zweck und Art der Vollmacht festlegen
Bevor du schreibst, beantworte eine Frage: Für welche Tätigkeit und welchen Bereich soll die Person handeln dürfen? Davon hängt ab, welche Art von Vollmacht du brauchst.
| Art | Umfang | Typischer Fall |
|---|---|---|
| Einfache Vollmacht | ein konkretes Geschäft oder eine bestimmte Aufgabe | Abholen eines Pakets, Auto ummelden, Zeugnis abholen |
| Allgemeine Vollmacht (Generalvollmacht) | alle Angelegenheiten, ohne Einschränkung | Vertretung bei längerem Auslandsaufenthalt |
| Vorsorgevollmacht | Vertretung, wenn du selbst nicht mehr entscheiden kannst | Krankheit, Unfall, Pflegebedürftigkeit |
| Bankvollmacht | Verfügungen über ein bestimmtes Konto | Angehörige sollen Überweisungen erledigen |
| Untervollmacht | der Bevollmächtigte gibt seine Befugnis weiter | nur zulässig, wenn die Hauptvollmacht es erlaubt |
Für die meisten privaten Alltagsfälle reicht die einfache Vollmacht. Je enger du den Umfang der Vollmacht beschreibst, desto weniger kann schiefgehen, und desto eher akzeptiert die Gegenseite das Dokument ohne Rückfragen.
Schritt 2: Beide Personen vollständig benennen
Behörden, Paketdienste und Banken prüfen zuerst, ob die handelnde Person wirklich die Bevollmächtigte ist. Deshalb gehören für Vollmachtgeber und Bevollmächtigten jeweils folgende Angaben in den Text:
- vollständiger Vor- und Nachname
- Geburtsdatum
- Anschrift (Straße, Hausnummer, PLZ, Ort)
- optional die Nummer des Personalausweises, um Verwechslungen auszuschließen
Der Bevollmächtigte muss sich beim Vorzeigen der Vollmacht fast immer ausweisen. Ein Hinweis darauf im Dokument („Der Bevollmächtigte weist sich mit seinem Personalausweis aus“) spart Diskussionen am Schalter.
Schritt 3: Umfang und Gültigkeit konkret beschreiben
Das Herzstück ist der Satz, der beschreibt, was erlaubt ist. Schreibe ihn so konkret wie möglich, mit Ort, Vorgang und, falls vorhanden, Aktenzeichen oder Sendungsnummer. Drei Beispiele:
- „… das Paket mit der Sendungsnummer 1234567890 bei der Postfiliale Hauptstraße 5 in meinem Namen abzuholen.“
- „… mein Fahrzeug mit dem Kennzeichen B-AB 123 bei der Zulassungsstelle Berlin-Mitte abzumelden und alle dafür erforderlichen Unterschriften zu leisten.“
- „… mich in allen Angelegenheiten gegenüber dem Bürgeramt Köln-Lindenthal zu vertreten, insbesondere bei der Beantragung eines Reisepasses.“
Dazu kommt die Gültigkeit. Entweder du setzt ein Enddatum („gültig bis 31.10.2026″) oder du schreibst „gültig bis auf Widerruf“. Ohne Angabe gilt die Vollmacht unbefristet, was bei einer Abholvollmacht unnötig weit geht. Beachten solltest du außerdem zwei Sonderfälle: einen Satz zur Untervollmacht („Die Erteilung einer Untervollmacht ist nicht gestattet“) und, wenn der Bevollmächtigte Geschäfte mit dir selbst abschließen soll, eine Befreiung von § 181 BGB, dem Verbot des Insichgeschäfts.

Schritt 4: Form, Unterschrift und Beglaubigung
Eine handschriftliche Vollmacht ist genauso gültig wie eine getippte. Entscheidend ist die eigenhändige Unterschrift des Vollmachtgebers mit Ort und Datum, ohne sie ist das Dokument nicht mehr als ein Zettel. Eine Beglaubigung brauchst du nur in Ausnahmefällen:
- Grundbuch und Immobilien: Erklärungen gegenüber dem Grundbuchamt verlangen nach § 29 GBO eine öffentlich beglaubigte Unterschrift, meist beim Notar. Die Unterschriftsbeglaubigung kostet nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz zwischen 20 und 70 Euro.
- Vorsorgevollmacht: rechtlich formfrei, in der Praxis aber notariell empfehlenswert, vor allem wenn Immobilien oder größere Vermögen dazugehören. Die Eintragung ins Zentrale Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer sorgt dafür, dass Gerichte sie finden.
- Bank: Die meisten Institute akzeptieren nur ihr eigenes Formular, unterschrieben in der Filiale. Frag vorher nach.
- Krankenkasse, Versicherung, Behörde: In der Regel reicht die einfache schriftliche Vollmacht, gelegentlich mit einer Kopie deines Ausweises.
Drucke das Dokument zweimal aus. Das Original bekommt der Bevollmächtigte, eine Kopie bleibt bei dir. So weißt du später genau, was du wem erlaubt hast.
Schritt 5: Übergeben, aufbewahren, bei Bedarf widerrufen
Übergib die Vollmacht persönlich und erkläre dem Bevollmächtigten, was er damit tun soll. Ist die Aufgabe erledigt, fordere das Original zurück. Nach § 168 BGB kannst du eine Vollmacht jederzeit widerrufen, auch ohne Begründung. Sicher ist der Widerruf, wenn du ihn schriftlich erklärst, das Originaldokument zurückverlangst und die Stelle informierst, gegenüber der die Vollmacht genutzt wurde. Solange das Original im Umlauf ist, darf sich ein Dritter darauf verlassen. Das ist die Kehrseite der Formfreiheit.
Mustervorlage: Einfache Vollmacht zum Abschreiben
Vollmacht
Ich, Anna Beispiel, geboren am 12.03.1968, wohnhaft Musterstraße 1, 10115 Berlin, bevollmächtige hiermit
Herrn Jonas Beispiel, geboren am 05.07.1995, wohnhaft Beispielweg 8, 10117 Berlin,
mein Fahrzeug mit dem amtlichen Kennzeichen B-AB 123 bei der Zulassungsstelle Berlin-Mitte in meinem Namen abzumelden und alle dafür notwendigen Erklärungen abzugeben.
Diese Vollmacht gilt bis zum 31.10.2026. Die Erteilung einer Untervollmacht ist nicht gestattet. Der Bevollmächtigte weist sich mit seinem Personalausweis aus.
Berlin, 14.09.2026
_______________________
Anna Beispiel (Vollmachtgeberin)
Für andere Fälle tauschst du nur den Absatz mit dem Umfang aus, die Vorlage bleibt sonst gleich. Wie schreibt man eine Vollmacht für die Post? Sendungsnummer und Filiale einsetzen, fertig. Schriftliche Erklärungen dieser Art begegnen dir im Alltag öfter, als du denkst, etwa wenn du eine Entschuldigung für die Schule schreiben musst. Sie folgen alle derselben Logik: wer, wem, was, wie lange, Unterschrift.

Wann du besser zum Notar gehst
Immobilienkauf, Erbangelegenheiten, Unternehmensanteile und die Vorsorge für den Fall der eigenen Geschäftsunfähigkeit sind die klassischen Situationen, in denen sich die notarielle Beurkundung lohnt. Der Notar prüft, ob du geschäftsfähig bist, formuliert rechtssicher und beglaubigt deine Unterschrift. Wer wissen möchte, welche Ausbildung hinter diesem Beruf steckt, findet die Antwort in unserem Beitrag Wie wird man Notar?. Und wenn eine Vollmacht im Rahmen einer Trennung eine Rolle spielt, erklärt der Artikel Wie läuft eine Scheidung ab?, an welchen Stellen anwaltliche Vertretung ohnehin Pflicht ist.
Häufige Fragen zum Vollmacht schreiben
Was muss in einer Vollmacht stehen?
Name, Geburtsdatum und Anschrift von Vollmachtgeber und Bevollmächtigtem, eine konkrete Beschreibung der erlaubten Tätigkeit, die Gültigkeitsdauer sowie Ort, Datum und eigenhändige Unterschrift des Vollmachtgebers.
Ist eine handschriftliche Vollmacht gültig?
Ja. Es gibt keine Vorschrift, dass eine Vollmacht getippt sein muss. Wichtig sind lesbare Angaben und die Originalunterschrift.
Muss eine Vollmacht beglaubigt werden?
Nur in Sonderfällen wie Grundbuchsachen. Für Abholungen, Behördengänge oder Versicherungen genügt die einfache schriftliche Vollmacht, oft zusammen mit einer Ausweiskopie.
Wie lange ist eine Vollmacht gültig?
So lange, wie du es hineinschreibst. Ohne Enddatum gilt sie bis zum Widerruf. Für einmalige Aufgaben ist ein konkretes Datum die sicherere Wahl.
Was ist der Unterschied zwischen Vollmacht und Vorsorgevollmacht?
Die einfache Vollmacht gilt für eine Aufgabe, solange du selbst handlungsfähig bist. Die Vorsorgevollmacht greift, wenn du das nicht mehr bist, und regelt Gesundheit, Vermögen und Aufenthalt.
*Zuletzt aktualisiert: September 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.*


