Es gibt genau zwei Wege. Eineiige Zwillinge gehen aus einer befruchteten Eizelle hervor, die sich teilt. Zweieiige Zwillinge entstehen, wenn bei einer Frau zwei Eizellen gleichzeitig heranreifen und von je einem Spermium befruchtet werden.
Daraus folgt alles Weitere: Eineiige Zwillinge sind genetisch identisch, die Kinder sind also gleich ausgestattet und immer gleichen Geschlechts. Zweieiige Zwillinge sind sich dagegen nicht ähnlicher als normale Geschwister, es können ein Mädchen und ein Junge sein.
Phase 1: Die Befruchtung
Bei einem gewöhnlichen Zyklus reift eine Eizelle heran und wird von einer Samenzelle befruchtet. So beginnt die Entwicklung mit der Zygote, der ersten Zelle des neuen Menschen.
Kommt es zu zwei Eisprüngen kurz nacheinander, können beide Eizellen von je einem Spermium befruchtet werden. Diese Eisprünge sind der eigentliche Auslöser. Die so entstandenen Kinder haben von Anfang an getrennte Anlagen, eigene Plazenta und eine eigene Fruchtblase.
Bleibt es bei einer Eizelle, entscheidet sich der Rest erst später.
Phase 2: Die Teilung entscheidet
Eineiige Zwillinge gehen daraus hervor, dass sich die Zygote kurz nach der Befruchtung teilt. Wann diese Teilung passiert, bestimmt, wie die beiden in der Gebärmutter liegen.
| Teilung | Plazenta | Fruchtblase |
|---|---|---|
| Tag 1 bis 3 | zwei getrennte | zwei eigene |
| 4. bis 8. Tag | eine gemeinsame | zwei eigene |
| 9. bis 12. | eine gemeinsame | eine gemeinsame |
| ab dem 13. | gemeinsam, Trennung unvollständig | gemeinsam |
Rund zwei Drittel der eineiigen Zwillinge trennen sich zwischen dem vierten und achten Tag. Diese Zwillinge haben eine gemeinsame Plazenta, aber jeweils eine eigene Hülle. Weil sie sich den Mutterkuchen teilen, wird die Schwangerschaft eng überwacht. Mediziner sprechen hier vom Chorion, der äußeren Eihaut.
Geschieht die Trennung erst ab dem 13. Tag, bleibt sie unvollständig. So kommen siamesische Zwillinge zustande, ein sehr seltener Fall. Sie liegen dann in einer gemeinsamen Fruchtblase.

Phase 3: Entwicklung bis zur Geburt
Ab hier verläuft die Schwangerschaft ähnlich wie bei Einlingen, nur mit mehr Kontrollterminen. Ob die Zwillinge eineiig oder zweieiig sind, lässt sich im Ultraschall an der Zahl der Hüllen und Plazenten abschätzen. Sehen lässt sich das ab der siebten Woche recht zuverlässig.
Ganz sicher ist das nur in einem Fall: Ein Mädchen und ein Junge sind immer zweieiig. Haben Zwillinge eine gemeinsame Plazenta, spricht vieles für eineiig. Letzte Klarheit bringt erst ein genetischer Test nach der Geburt, mit dem sich die beiden eindeutig unterscheiden lassen.
Wie häufig sind Zwillinge?
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war 2024 jedes 32. Geborene in Deutschland ein Mehrlingskind. Von 680.017 Geborenen waren 21.040 Mehrlinge, das sind 3,1 Prozent.
Der ganz überwiegende Teil davon sind Zwillinge: 97,7 Prozent der Mehrlinge kamen als Zwillinge zur Welt, dazu zählte das Amt 453 Drillingskinder. Bemerkenswert ist der Trend. Nach jahrzehntelangem Anstieg geht der Anteil seit 2017 zurück und erreichte 2024 den niedrigsten Stand seit 1997.
Zwischen den beiden Arten gibt es einen wichtigen Unterschied:
- Eineiige Zwillinge treten weltweit gleich oft auf, bei etwa 4 von 1.000 Geburten. Sie gehen auf Zufall zurück.
- Zweieiige Zwillinge schwanken stark, in Deutschland bei ungefähr 13 von 1.000 Geburten. Hier wirken mehrere Faktoren zusammen.
Was die Wahrscheinlichkeit beeinflusst
Nur bei der zweieiigen Variante lässt sich überhaupt von Einflussfaktoren sprechen:
- Das Alter der Mutter. Ab etwa 35 Jahren steigt der Spiegel des follikelstimulierenden Hormons, wodurch öfter mehrere Eizellen heranreifen. Welche Rolle das Alter sonst noch spielt, steht im Beitrag dazu, wie sich die Fruchtbarkeit der Frau mit dem Alter verändert.
- Die Veranlagung. Die Neigung zu Doppeleisprüngen wird über die mütterliche Linie vererbt. Wer selbst zweieiige Zwillinge in der Familie hat, hat eine höhere Wahrscheinlichkeit.
- Künstliche Befruchtung. Hormonelle Stimulation und das Einsetzen mehrerer Embryonen erhöhen die Chance deutlich. Der Rückgang der letzten Jahre hängt damit zusammen, dass heute seltener mehrere Embryonen übertragen werden.
- Vorherige Schwangerschaften. Wer bereits mehrfach Kinder bekommen hat, ist etwas öfter betroffen.
Beim Vater lässt sich kein Einfluss nachweisen. Er vererbt die Veranlagung zwar an seine Töchter weiter, in seiner eigenen Partnerschaft ändert sie aber nichts.

Häufige Fragen
Wie entstehen eineiige Zwillinge?
Eine befruchtete Eizelle teilt sich kurz nach der Befruchtung, und aus beiden Hälften entwickeln sich zwei Embryonen.
Wie entstehen zweieiige Zwillinge?
Bei der Frau reifen zwei Eizellen gleichzeitig heran, und jede wird von einem eigenen Spermium befruchtet. Verantwortlich sind zwei Eisprünge kurz nacheinander.
Können eineiige Zwillinge unterschiedliche Geschlechter haben?
In aller Regel nicht. Die Kinder tragen dasselbe Erbgut.
Werden Zwillinge vererbt?
Nur zweieiige, und zwar über die mütterliche Seite. Eineiige entstehen zufällig.
Was sind siamesische Zwillinge?
Sie gehen auf eine sehr späte Trennung zurück, bei der die Teilung unvollständig bleibt.
Erhöht eine künstliche Befruchtung die Chance?
Ja, deutlich. Hormonelle Stimulation lässt mehrere Eizellen heranreifen.
Wie merkt man, ob Zwillinge eineiig sind?
Unterschiedliche Geschlechter bedeuten zweieiig. Sonst hilft nur ein genetischer Test nach der Geburt.
*Zuletzt aktualisiert: September 2026.*

