Halle 4, kurz nach elf. Eine Mutter lässt sich am Stand eines Kinderwagenherstellers die Federung des neuen Modells erklären. Neben ihr zieht ihr dreijähriger Sohn am Ärmel und fragt zum dritten Mal, wann sie endlich weiterdürfen. „Wir kommen später nochmal vorbei“, sagt die Mutter nach zwei Minuten. Sie kommt nicht wieder. Auf Messen für Baby- und Kleinkindausstattung gehört der Nachwuchs fest zum Publikum. Eltern kommen fast nie allein. Sie haben einen Kinderwagen dabei und eine gepackte Wickeltasche. Ihr Zeitplan ist eng. Und ihre Aufmerksamkeit richtet sich nach dem jüngsten Familienmitglied. Wer das nicht mitdenkt, verliert die Eltern schnell. Das Kind quengelt und das Gespräch bricht ab. Die Familie zieht weiter, oft bevor Ihr Angebot mit dem der Konkurrenz verglichen wurde. Insbesondere auf einer Messe, die sich an Familien richtet, wirkt ein Stand ohne Platz für Kinder wie ein Widerspruch. Familienfreundlichkeit wirkt sich hier direkt auf Ihre Verweildauer aus. Ein beschäftigtes Kind verlängert jedes Beratungsgespräch um die Minuten, in denen Sie zum Kern Ihres Angebots kommen.
Warum verlassen Familien einen Messestand früher als geplant?
Was ein Kind vom Stand vertreibt, hat selten etwas mit Ihrem Produkt zu tun. Ein Scheinwerfer vom Nachbarstand fällt quer in die Augen. Ein dumpfer Bass kommt aus derselben Richtung, eine Werbeschleife läuft auf voller Lautstärke. Ringsum stehen Erwachsenenbeine in Augenhöhe, und zum Hinsetzen gibt es nichts unter einem Meter Höhe.
Nach zehn Minuten in dieser Umgebung ist die Geduld aufgebraucht. Dann quengelt das Kind, der Elternteil dreht sich weg und das Gespräch bricht ab. Ihr Standpersonal steht mit dem Datenblatt in der Hand da und hat am Ende weder eine Visitenkarte noch einen Termin. Über drei Messetage summieren sich diese abgebrochenen Kontakte zu einer Zahl, die Sie im Nachbericht nicht sehen, weil sie nie erfasst wurde.
Wie teilen Sie Ihre Fläche so auf, dass beide Altersgruppen etwas davon haben?
Bevor Sie über Ausstattung nachdenken, klären Sie zuerst den Grundriss. Die folgenden Fragen bringen Sie schneller zu einer brauchbaren Aufteilung als jede Musterlösung aus dem Katalog.
- Wie viele Quadratmeter können Sie abgeben, ohne die Beratungszone unter vier Personen zu drücken?
- Von welcher Position aus sehen Eltern ihr Kind, während sie am Beratungstisch stehen?
- Wie laut darf die Spielzone werden, bevor am Beratungstisch niemand mehr etwas versteht?
- Wo parken Kinderwagen, ohne den Gang oder Ihren Standzugang zu blockieren?
- Wer aus Ihrem Team ist ansprechbar, wenn ein Kind Hilfe braucht?
Achten Sie auf die Sichtlinie. Eltern beraten sich entspannter, wenn sie ihr Kind nebenbei im Blick haben. Muss ein Elternteil erst aufstehen und suchen, ist das Gespräch unterbrochen. Eine Spielecke hinter einer geschlossenen Wand bringt deshalb weniger, als sie kostet. Ein halbhohes Regal oder ein Tresen auf Hüfthöhe trennt die Bereiche, ohne die Sicht zu versperren.
Welche Technik hält Kinder am Stand, ohne das Gespräch zu stören?
Licht und Bild trennen die beiden Zonen wirksamer als jede Stellwand. Sie übernehmen außerdem einen Teil der Arbeit, die sonst Ihr Standpersonal leisten müsste.
- Niedriger Touchscreen: Ein Gerät auf rund 90 Zentimetern lässt sich von einem Sechsjährigen ohne fremde Hilfe bedienen.
- Kurze Videoloops: Filme mit zwei bis drei Minuten Laufzeit bleiben auch ohne Ton verständlich.
- Kopfhörer: Der Ton bleibt in der Spielzone und dringt nicht an den Beratungstisch.
- Warmweiße Leuchten: Kinder schauen häufiger nach oben als Erwachsene und werden von direkt ausgerichteten Spots geblendet.
- Gedimmte Lichtinsel: Die Spielzone hebt sich von der übrigen Fläche ab und bleibt trotzdem einsehbar.
Der Screen in der Spielzone benötigt besondere Beachtung. In die Halle fällt kaum Tageslicht, sie ist damit oft dunkler als ein gewöhnliches Büro. Kritischer sind Ihre eigenen Scheinwerfer. Sobald einer davon frontal auf ein Display leuchtet, spiegelt sich der Kegel in der Oberfläche und das Bild wirkt blass. Ein Kind, das die Malfläche unter der Spiegelung nicht erkennt, tippt zweimal darauf und zieht weiter. Richten Sie die Leuchten über der Spielzone deshalb seitlich oder von hinten aus, sodass kein Scheinwerfer im Blickwinkel des Screens steht.
Achten Sie zusätzlich auf die Farbtemperatur über dem Beratungstisch. Neutralweißes Licht zeigt Materialproben in ihrer tatsächlichen Farbe, so wie sie später im Kinderzimmer wirken.
Welche Goodies bleiben Familien wirklich in Erinnerung?
Ein Giveaway, das die Heimfahrt übersteht, hält Ihre Marke wochenlang im Haushalt sichtbar. Billiger Plastikkram landet dagegen schon auf dem Parkplatz im Mülleimer. Setzen Sie deshalb auf Dinge, die zu Hause tatsächlich benutzt werden.
- Malheft:Mit Ihren Motiven bedruckt, kommt es abends am Küchentisch oder im Restaurant zum Einsatz.
- Stempelkarte:Eine kleine Suchaufgabe über den Stand hält das Kind beschäftigt und verschafft Ihnen Redezeit mit den Eltern.
- Trinkflasche: Wasser statt Süßigkeiten bleibt den Eltern positiv in Erinnerung und ist an einem langen Messetag praktisch.
- Aufkleber: Ein Bogen mit wenigen Motiven kostet fast nichts und wandert oft direkt in den Schulranzen.
Die Stempelkarte lohnt sich dabei doppelt. Während das Kind seine Stationen abläuft, haben Sie schnell einige Minuten mehr Zeit, in denen Sie mit den Eltern ins Gespräch kommen. Verknüpfen Sie die Aufgabe mit Ihren Produkten, führt sie beide gemeinsam durch Ihr Sortiment.
Wie könnte eine familienfreundliche Messefläche aussehen?
Ein fiktives Beispiel kann diese Frage beantworten. Es beschreibt einen Aussteller, der weiß, dass Familien zu seinem Publikum gehören. Aus diesem Grund lässt er auch seinen Stand danach gestalten. Am Messetag zahlt sich das aus.
Ein Hamburger Hersteller von Kindermöbeln plant seinen Auftritt auf einer Messe für Baby- und Kleinkindausstattung in der Hansestadt. Die Standfläche misst 40 Quadratmeter, das Publikum besteht fast ausschließlich aus jungen Familien. Für die technische Umsetzung beauftragt das Unternehmen ETnord, einen erfahrenen Anbieter für Medientechnik aus Hamburg.
Die Fläche wird in eine Beratungszone und eine Spielzone geteilt, abgegrenzt durch ein halbhohes Regal aus dem eigenen Sortiment. In der Spielzone steht ein Touchscreen mit einem Malprogramm auf Kinderhöhe, daneben laufen zwei Monitore mit Kopfhörern. Die Lichttechnik arbeitet mit warmweißen Flächenleuchten über der Spielzone und neutralweißen Spots über dem Beratungstisch, unter denen die Holzmuster ihre tatsächliche Farbe zeigen. Ein Richtlautsprecher gibt die Begrüßung nur im Eingangsbereich aus, sodass am Tisch normale Gesprächslautstärke ausreicht.
Fazit: Der Stand, an dem Familien bleiben
Ein Bällebad in der Ecke macht noch keine kinderfreundliche Fläche. Stattdessen brauchen Sie für einen familienfreundlichen Standvier Dinge: Eltern müssen ihr Kind vom Beratungstisch aus sehen können. Das Kind braucht eine eigene Ecke mit etwas zu tun. Der Ton aus dieser Ecke darf das Gespräch am Tisch nicht übertönen. Und im Team ist geklärt, wer berät und wer die Spielecke nebenbei im Blick behält.
Das kostet Sie in der Planung ein paar Stunden. Dafür sind die Gespräche nicht mehr nach kurzer Zeit vorbei, und manche Eltern kommen später noch einmal an den Stand.



