Die gängigste Antwort lautet 193, denn so viele Staaten der Welt gehören den Vereinten Nationen an. Wer Beobachter mitzählt, kommt auf 195, und wer alle umstrittenen Territorien einrechnet, landet bei etwa 206.
Keine dieser Zahlen ist falsch. Sie beantworten nur verschiedene Fragen, und genau darin liegt die Verwirrung.
Die drei Antworten im Vergleich
| Zählung | Anzahl | Was dazugehört |
|---|---|---|
| Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen | 193 | volle Mitgliedschaft |
| Plus Beobachter | 195 | zusätzlich Vatikanstadt und Palästina |
| Plus umstrittene Gebiete | bis 206 | zusätzlich Kosovo, Taiwan und weitere |
Antwort 1: 193 Mitglieder
Das Regionale Informationszentrum der Vereinten Nationen nennt auf seiner Übersicht der Mitgliedstaaten die Zahl 193. Diese Zahl ist seit 2011 unverändert.
Das jüngste Mitglied ist der Südsudan, aufgenommen am 14. Juli 2011. Vorausgegangen war ein Referendum im Januar 2011, nach dem sich die Republik am 9. Juli offiziell vom Sudan löste. Die Generalversammlung bestätigte die Aufnahme per Resolution.
Eine solche Mitgliedschaft gilt international als stärkstes Indiz für Staatlichkeit. Über die Aufnahme eines neuen Mitglieds entscheidet die Generalversammlung, nachdem der Sicherheitsrat eine Empfehlung abgegeben hat. Genau dieser zweite Schritt ist der Grund, warum manche Bewerber außen vor bleiben.
Antwort 2: 195 mit Beobachtern
Zwei Gebilde haben in den Vereinten Nationen Beobachterstatus, sind aber keine Vollmitglieder: der Heilige Stuhl, also die Vatikanstadt, und Palästina.
Der Heilige Stuhl hat nie eine Mitgliedschaft beantragt. Er unterhält diplomatische Beziehungen zu fast allen Ländern der Welt und hält in New York eine ständige Vertretung, verzichtet aber bewusst auf die Vollmitgliedschaft, um politisch neutral zu bleiben.
Palästina erhielt 2012 den Status eines Beobachterstaats. Eine volle Mitgliedschaft scheiterte bislang im Sicherheitsrat. Völkerrechtlich ist das Gebiet von einer großen Mehrheit anerkannt, von einigen einflussreichen Ländern jedoch nicht.
Mit beiden zusammen kommt man auf 195. Diese Anzahl nutzen viele internationale Organisationen, etwa im Sport.
Antwort 3: bis zu 206
Darüber hinaus gibt es Territorien, die sich selbst als souveränen Staat verstehen und teilweise auch anerkannt werden. Je nachdem, wie viele davon man mitzählt, steigt die Anzahl auf bis zu 206.
Die wichtigsten Fälle:
- Kosovo. Rund hundert Staaten haben die Unabhängigkeit vom Februar 2008 anerkannt, darunter Deutschland. Serbien und Russland nicht.
- Taiwan. Die Republik China regiert die Insel seit 1949 eigenständig. Nur noch etwa ein Dutzend Länder unterhalten offizielle diplomatische Beziehungen, weil die Volksrepublik China dies zur Bedingung macht.
- Westsahara. Als Demokratische Arabische Republik Sahara von etwa 40 Ländern anerkannt, faktisch überwiegend von Marokko kontrolliert.
- Nordzypern. Seit November 1983 ausgerufen, aber nur von der Türkei anerkannt.
- Abchasien und Südossetien. Seit August 2008 von Russland und wenigen weiteren anerkannt.
- Somaliland. Seit Mai 1991 faktisch unabhängig, aber offiziell von niemandem anerkannt.

Was macht überhaupt ein Land aus?
Die völkerrechtliche Grundlage ist fast hundert Jahre alt. Die Montevideo-Konvention von 1933 nennt vier Kriterien für einen Staat:
- Ein festgelegtes Staatsgebiet
- Eine ständige Bevölkerung
- Eine effektive Staatsgewalt
- Die Fähigkeit, Beziehungen zu anderen Staaten aufzunehmen
Der vierte Punkt ist der schwierige. Ein Territorium kann alle drei ersten Kriterien erfüllen und trotzdem kaum handeln, wenn niemand mit ihm verhandelt. Somaliland ist das klarste Beispiel: eigene Währung, eigene Regierung, eigene Grenzen, aber keine internationale Anerkennung.
Umgekehrt zeigt Palästina, dass Anerkennung auch ohne vollständige Kontrolle möglich ist. Staatlichkeit ist damit kein Zustand, sondern eine politische Frage.
Warum Listen unterschiedlich lang sind
Eine praktische Erklärung für abweichende Angaben liefern die Ländercodes. Die Norm ISO 3166 vergibt zweistellige Kürzel wie DE für Deutschland oder FR für Frankreich, und diese Liste umfasst rund 250 Einträge.
Der Grund: Die Ländercodes erfassen nicht nur souveräne Staaten, sondern auch abhängige Territorien. Grönland, die Färöer, Hongkong, Macau, Puerto Rico oder die Kanalinseln haben eigene Kürzel, ohne eigenständige Mitglieder der Staatengemeinschaft zu sein.
Wer eine Zahl aus einer Datenbank übernimmt, übernimmt deshalb oft die Anzahl der Ländercodes statt die der Staaten. Auch Sportverbände zählen eigenwillig: Das Internationale Olympische Komitee führt mehr Mannschaften, als es Mitglieder der Vereinten Nationen gibt, weil Puerto Rico oder Hongkong eigene Teams stellen dürfen.
Wenn Länder ihre Namen ändern
Ein weiterer Grund für Verwirrung sind Namensänderungen. Die Liste bleibt gleich lang, die offiziellen Namen wechseln trotzdem.
- Swasiland heißt seit 2018 Eswatini.
- Mazedonien wurde 2019 zu Nordmazedonien, nach jahrzehntelangem Streit mit Griechenland.
- Burma firmiert seit 1989 als Myanmar.
- Die Tschechische Republik nutzt seit 2016 auch die Kurzform Tschechien.
- Die Türkei lässt sich international seit 2022 als Türkiye führen.
- Die Niederlande haben 2020 die Bezeichnung Holland für offizielle Zwecke abgeschafft.
Dazu kommen Staaten, deren offizieller Name deutlich vom Alltagsnamen abweicht. Die Vereinigte Arabische Republik war der gemeinsame Name von Ägypten und Syrien zwischen 1958 und 1961, die Arabische Republik Syrien heißt bis heute so, und die Bundesrepublik Jugoslawien wurde erst zu Serbien und Montenegro und dann zu zwei eigenen Mitgliedern.
Länder, Staaten und Nationen sind nicht dasselbe
Im Alltag werden die Begriffe synonym benutzt, fachlich bedeuten sie Verschiedenes.
Staat ist der völkerrechtliche Begriff. Er beschreibt das Gebilde mit Gebiet, Bevölkerung und Regierung.
Land ist umgangssprachlich und ungenau. In Deutschland bezeichnet es zusätzlich die Bundesländer, in Großbritannien gelten England, Schottland, Wales und Nordirland als countries, obwohl nur das Vereinigte Königreich ein Staat ist.
Nation meint eine Gemeinschaft von Menschen mit gemeinsamer Sprache, Kultur oder Geschichte. Sie muss nicht mit einem Staat zusammenfallen: Die Kurden bilden eine Nation ohne eigenen Staat, die Schweiz umgekehrt einen Staat mit mehreren Sprachgemeinschaften.
Aus dieser Unschärfe erklärt sich ein Teil der abweichenden Angaben. Wer danach fragt, bekommt je nach Quelle die Zahl der Staaten, der Mitglieder oder der Ländercodes.
Warum sich die Anzahl verändert
Die Zahl der Staaten ist im 20. Jahrhundert stark gestiegen. 1945 gründeten 51 Staaten die Vereinten Nationen, heute sind es 193.
Drei Wellen haben das getrieben:
Die Entkolonialisierung. Zwischen 1945 und 1975 wurden mehr als achtzig Länder unabhängig, vor allem in Afrika und Asien.
Der Zerfall der Sowjetunion. Im Dezember 1991 entstanden fünfzehn Nachfolgestaaten, die alle aufgenommen wurden.
Die Auflösung Jugoslawiens. Aus der Sozialistischen Föderativen Republik gingen in den 1990er Jahren Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina sowie die damalige Republik Mazedonien hervor. Zuletzt trennten sich Serbien und Montenegro im Juni 2006, und Montenegro wurde am 28. Juni desselben Jahres aufgenommen.
Vier Daten, die vieles erklären
Einige Aufnahmen zeigen, wie politisch die Sache ist:
- Oktober 1971: Die Volksrepublik China übernimmt per Resolution der Generalversammlung den Sitz, den bis dahin die Republik China auf Taiwan innehatte.
- September 1973: Die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik werden am selben Tag aufgenommen, zwei getrennte Mitglieder bis zur Wiedervereinigung im Oktober 1990.
- September 2002: Die Schweiz tritt als eines der letzten europäischen Länder bei, nach einer Volksabstimmung im März desselben Jahres.
- Mai 1993: Eritrea wird nach der Loslösung von Äthiopien aufgenommen, Monaco folgt ebenfalls im Mai.
Seit 2011 ist die Anzahl stabil. Das bedeutet nicht, dass sie es bleibt: Unabhängigkeitsbewegungen gibt es in mehreren Regionen der Welt, und jede erfolgreiche Loslösung würde ein neues Mitglied hervorbringen.

Rekorde unter den Staaten
Das kleinste Land ist die Vatikanstadt mit 0,44 Quadratkilometern und rund 800 Einwohnern. Danach folgen Monaco mit 2 Quadratkilometern und Nauru mit 21.
Das größte Land ist Russland mit über 17 Millionen Quadratkilometern, also rund elf Prozent der gesamten Landfläche der Erde.
Die meisten Einwohner haben Indien und China mit jeweils über 1,4 Milliarden Menschen.
Die wenigsten Nachbarn haben Inseln ohne Landgrenze, etwa Island, Japan oder Neuseeland. Den Rekord in der anderen Richtung teilen sich die Volksrepublik China und Russland mit je vierzehn Nachbarn.
Interessant sind auch die Kleinstaaten Europas. Andorra, Liechtenstein, Monaco, San Marino und die Vatikanstadt gelten alle als souverän, auch wenn manche kleiner sind als eine Großstadt. Wie ein solches Fürstentum funktioniert, zeigt der Beitrag dazu, wie hoch Andorra liegt.
Wie viele Länder hat Europa?
Auch hier hängt die Antwort von der Definition ab. Gezählt werden meist 44 bis 50 Staaten, je nachdem, wie man mit den Transkontinentalstaaten umgeht.
Russland, die Türkei, Kasachstan, Georgien, Armenien und Aserbaidschan erstrecken sich über zwei Kontinente. Zypern liegt geografisch in Asien, gehört aber seit Mai 2004 zur Europäischen Union.
Die Europäische Union selbst hat 27 Mitglieder und ist damit deutlich kleiner als der Kontinent. Einige Länder sind bewusst nicht dabei, etwa die Schweiz, Norwegen und eben Andorra.
Wer die Vielfalt eines einzelnen Landes messen will, stößt übrigens auf ähnliche Definitionsprobleme, etwa bei der Frage, wie viele Inseln Griechenland hat.
Häufige Fragen
Wie viele Länder gibt es auf der Erde?
193 Mitglieder der Vereinten Nationen, mit den beiden Beobachtern 195. Rechnet man umstrittene Territorien mit, bis zu 206.
Wie viele UN-Mitgliedstaaten gibt es?
193, unverändert seit der Aufnahme des Südsudans im Juli 2011.
Welche Länder sind nicht in der UNO?
Die Vatikanstadt und Palästina haben nur Beobachterstatus. Kosovo, Taiwan und Somaliland sind gar nicht vertreten.
Warum nennen manche Listen 250 Länder?
Weil sie die Ländercodes nach ISO 3166 zählen. Diese Liste enthält auch abhängige Territorien wie Grönland oder Hongkong.
Welches ist das jüngste Land der Welt?
Der Südsudan, unabhängig seit dem 9. Juli 2011 und UN-Mitglied seit dem 14. Juli 2011.
Was ist der Unterschied zwischen Land und Staat?
Staat ist der völkerrechtliche Begriff. Land wird umgangssprachlich benutzt und meint manchmal auch Teilgebiete wie Bundesländer.
Was ist das kleinste Land der Welt?
Die Vatikanstadt mit 0,44 Quadratkilometern und rund 800 Einwohnern.
Warum schwankt die Anzahl der Länder?
Weil Staatlichkeit von Anerkennung abhängt und die je nach Territorium unterschiedlich ausfällt.
*Zuletzt aktualisiert: September 2026.*

