In Deutschland gibt es über 20.000 Studiengänge an mehr als 400 Hochschulen. Aus dieser Menge den passenden Studienplatz zu finden, ist keine Frage des Glücks, sondern des Vorgehens. Wer die folgenden Schritte der Reihe nach geht, hat am Ende eine begründete Entscheidung statt eines Bauchgefühls.
Diese sechs Schritte führen von der ersten Idee bis zur Zusage.
Schritt 1: Die eigenen Interessen klären
Bevor du mit der Suche beginnst, musst du zwei Fragen beantworten: Welche deiner Stärken und Interessen möchtest du beruflich nutzen? Und welche Berufe kommen dafür überhaupt infrage?
Diese Reihenfolge ist wichtig. Wer vom Beruf her denkt, landet bei realistischeren Fächern als jemand, der nur nach Schulfächern sucht. Hilfreich sind dafür:
- Selbsttests und Orientierungsverfahren, die viele Hochschulen kostenlos auf ihrer Seite angeboten haben
- Die Studienberatung der Agentur für Arbeit, wo dir eine Person persönlich weiterhilft
- Schnupperangebote und Probevorlesungen direkt an den Hochschulen
- Gespräche mit Studierenden, die bereits an der Hochschule sind oder im Wunschberuf arbeiten
Nimm dir dafür echte Zeit. Ein Wechsel im dritten Semester kostet deutlich mehr davon, deshalb ist die Entscheidung am Anfang besonders wichtig.
Schritt 2: Studiengänge recherchieren
Jetzt beginnt die eigentliche Suche. Ein gutes Studienangebot erkennst du nicht am Namen, sondern am Modulplan. Zwei Studiengänge mit gleicher Bezeichnung können inhaltlich stark voneinander abweichen und trotzdem denselben Abschluss geben.
Informiere dich deshalb auf der Website der jeweiligen Hochschule, welche Inhalte im ersten Jahr anstehen und welche Schwerpunkte später möglich sind. Auf der Seite findest du meist auch ergänzende Downloads und Links zur Studienordnung. Wichtig sind außerdem der Abschluss, die Regelstudienzeit und die Frage, ob Praxisphasen fest eingeplant sind.
Suche dabei bewusst breit. Neben der klassischen Universität kommen die Fachhochschule mit ihrem stärkeren Praxisbezug und das duale Studium infrage, bei dem du direkt in einem Unternehmen arbeitest und dafür bereits eine Vergütung bekommst.

Schritt 3: Hochschulen vergleichen
Steht die Richtung, vergleichst du die Hochschulen. Wenn du weißt, worauf du achten willst, geht das schnell. Diese Kriterien machen im Alltag den Unterschied:
| Kriterium | Warum es zählt |
|---|---|
| Betreuungsverhältnis | kleine Gruppen erleichtern den Einstieg spürbar |
| Praxisanteil | Pflichtpraktika verbessern den Berufseinstieg |
| Auslandsmöglichkeiten | bestehende Partnerschaften sparen viel Organisation |
| Ort und Mietniveau | oft der größte Kostenfaktor im Studium |
| Numerus clausus | entscheidet, ob du überhaupt Chancen hast |
Ein praktischer Hinweis: Die meisten Studierenden zieht es in die großen Universitätsstädte, und genau dort sind die Grenzwerte am höchsten. Weniger gefragte Hochschulen bieten bei gleichem Abschluss oft bessere Chancen und günstigere Mieten. Wenn dir der Ort weniger wichtig ist als das Studium selbst, hast du hier einen echten Vorteil.
Schritt 4: Zulassung und Fristen prüfen
Jetzt wird es formal. Informiere dich für jeden Wunschstudiengang, wie die Vergabe läuft, denn davon hängt dein Zeitplan ab. Diese Informationen stehen direkt bei der jeweiligen Hochschule.
- Zulassungsfreie Studiengänge: Du schreibst dich einfach direkt an der Hochschule ein, solange deine Voraussetzungen den Anforderungen entsprechen.
- Örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge: Die Hochschule vergibt selbst nach eigenem Verfahren, meist über Abiturnote und Wartezeit.
- Bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge: Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie laufen zentral über hochschulstart.de. Dort werden die Unterlagen direkt geprüft. Viele weitere Fächer nutzen das dialogorientierte Serviceverfahren derselben Stelle.
Die üblichen Fristen: 15. Juli für das Wintersemester, 15. Januar für das Sommersemester. Bei zentral vergebenen Studiengängen und bei Bewerbungen aus dem Ausland liegen sie oft deutlich früher. Notiere dir jede Frist mit Datum einzeln, sie unterscheiden sich von Hochschule zu Hochschule.
Schritt 5: Bewerben, und zwar mehrfach
Bewirb dich an mehreren Hochschulen und für mehrere Studiengänge. Wer nur eine Bewerbung abschickt, macht die gesamte Planung von einem einzigen Grenzwert abhängig, der jedes Jahr schwankt. Besser ist es, dir mehrere Möglichkeiten offenzuhalten.
In die Bewerbungsunterlagen gehören in der Regel:
- beglaubigte Kopie des Abiturzeugnisses
- Nachweise über Praktika, Ausbildung oder Freiwilligendienst
- gegebenenfalls ein Motivationsschreiben
- Sprachnachweise bei fremdsprachigen Studiengängen
Beim Motivationsschreiben zählt dasselbe wie bei jeder Bewerbung: Belege deine Eignung am besten mit konkreten Erfahrungen, statt sie zu behaupten. Ein Praktikum, ein Projekt oder ein ehrenamtliches Engagement wiegt mehr als drei Absätze darüber, wie sehr dich das Thema begeistert.

Schritt 6: Nachrücken und freie Plätze nutzen
Kommt eine Absage, ist das Verfahren noch nicht vorbei. Nach dem Hauptverfahren rücken regelmäßig Bewerber nach, weil Zusagen nicht angenommen werden. Halte deine Unterlagen und Daten bereit und reagiere schnell, die Fristen im Nachrückverfahren sind kurz.
Parallel lohnt der Blick in die Studienplatzbörse des Hochschulkompass. Dort melden Hochschulen in Deutschland freie Plätze, die nach Ende der regulären Frist noch offen sind. Der Bestand ändert sich täglich, deshalb solltest du zwischen Ende August und Semesterbeginn regelmäßig nachsehen.
Bleibt es beim Nein, gibt es gute Zwischenlösungen: ein Semester an einer zulassungsfreien Hochschule, eine Ausbildung im verwandten Bereich oder ein Freiwilligendienst, der bei manchen Verfahren zusätzlich gewichtet wird. Mit einem neuen Anlauf im Folgesemester klappt es dann meist.
Häufige Fragen
Wie finde ich den passenden Studiengang?
Über Interessen und Berufsziel, dann über den Modulplan. Selbsttests und die Beratung der Agentur für Arbeit geben dir schnelle Antworten für die Eingrenzung.
Was bedeutet der Numerus clausus?
Er ist kein fester Grenzwert, sondern die Note des letzten zugelassenen Bewerbers im Vorjahr. Er schwankt mit der Zahl der Bewerbungen.
Wann sind die Bewerbungsfristen?
Meist 15. Juli für das Winter- und 15. Januar für das Sommersemester. Bei zentral vergebenen Fächern früher.
Wie finde ich freie Studienplätze?
Über die Studienplatzbörse des Hochschulkompass, die täglich aktualisiert wird, und über die Nachrückverfahren der Hochschulen.
An wie vielen Hochschulen sollte ich mich bewerben?
An mindestens drei bis fünf, gern mit unterschiedlichen Grenzwerten. Das erhöht deine Chance auf eine Zusage deutlich, wenn du unbedingt in einem bestimmten Semester starten möchtest.
Wie geht es nach dem Studium weiter?
Mit der Bewerbung. Worauf es dabei ankommt, steht in unseren Beiträgen zum perfekten Lebenslauf und zum Bewerbungsgespräch. Für Referate im Studium hilft unsere Anleitung, wie man ein Handout macht.
*Zuletzt aktualisiert: September 2026.*



