Mit einem einzigen Atemzug schaffte Herbert Nitsch 214 Meter, mit technischer Ausrüstung liegt der Weltrekord bei 332,35 Metern. Dazwischen liegt ein ganzes Spektrum, und jede Stufe hat ihre eigene Grenze.
Entscheidend ist der Wasserdruck. Alle zehn Meter Wassersäule kommt ein Bar dazu. In einer Tiefe von 200 Metern lastet also das Einundzwanzigfache dessen auf dem Körper, was an der Wasseroberfläche wirkt.
Sechs Stufen, wie tief ein Mensch tauchen kann
1. Schnorcheln: bis etwa 5 m
Wer kurz die Luft anhält und nach unten geht, bleibt meist im einstelligen Bereich. Schon hier drückt es auf den Ohren, und der Druckausgleich muss sitzen.
Diese Tiefe erreicht praktisch jeder ohne Übung. Weiter unten wird es schnell eine Frage von Technik und Training.
2. Freitauchen ohne Ambitionen: 10 bis 20 m
Mit etwas Übung und ruhigem Atmen vor dem Abtauchen sind 10 bis 20 m machbar. Der Tauchgang dauert dann rund eine Minute.
Wichtig ist das Zusammenspiel aus Abtauchen, Druckausgleich und ruhigem Gleiten. Wer hektisch wird, verbraucht Sauerstoff, ohne voranzukommen. Mental ist das der schwierigste Teil.
3. Sporttaucher mit Gerät: bis 40 m
Für Sporttaucher mit Pressluft gilt eine Tiefe von 40 Metern als Limit. Der Wert ist keine Physik, sondern eine Sicherheitsregel der Ausbildungsverbände.
Zwei Gründe stecken dahinter. Ab rund 30 m wirkt Stickstoff narkotisch, der sogenannte Tiefenrausch setzt ein. Und die Luft im Gerät hält bei höherem Umgebungsdruck deutlich kürzer, weil bei jedem Atemzug mehr Gasmoleküle in die Lunge gehen.
Die zweite Gefahr stellt sich beim Auftauchen. Gelöster Stickstoff bildet Blasen im Gewebe, wenn zu zügig aufgestiegen wird. Deshalb sind Dekompressionsstopps Pflicht.
4. Apnoetauchen im Wettkampf: 100 bis 140 m
Hier beginnt der Leistungssport. Beim Apnoetauchen gibt es mehrere Disziplinen, und die maximale Tauchtiefe unterscheidet sich stark.
- Constant Weight mit Flossen: die Königsdisziplin, Bestmarken jenseits von 130 m
- Constant Weight mit Bifins: getrennte Flossen, Bestwerte über 90 m
- Free Immersion: am Seil nach unten und zurück, ohne Flossen
- Constant Weight No Fins: allein mit Armen und Beinen, über 100 m durch William Trubridge
Der Franzose Arnaud Jerald tauchte bei einem Wettkampf auf den Bahamas 120 m weit nach unten und brauchte dafür drei Minuten und 35 Sekunden. William Trubridge und Alexei Moltschanow gehören ebenfalls zu den Namen, die in diesen Tiefen auftauchen.
5. No Limits: 214 Meter
Die extremste Disziplin heißt No Limits. Ein Schlitten zieht den Taucher nach unten, ein luftgefüllter Hebesack bringt ihn wieder nach oben.
2007 tauchte der Österreicher Herbert Nitsch auf diese Weise 214 Meter tief, mit einem einzigen Atemzug. Nach Angaben von Planet Wissen ist dieser Weltrekord bis heute unangetastet. Mediziner rätseln nach wie vor, wie ein Mensch so tief tauchen kann und es übersteht.
6. Mit Technik: 332 m und tiefer
Der tiefste Tauchgang mit Gerät gelang 2014 dem Ägypter Ahmed Gamal Gabr mit 332,35 Metern. Der Abstieg dauerte wenige Minuten, der kontrollierte Aufstieg viele Stunden.
Mit technischen Druckanzügen, in denen der Körper vom Wasserdruck abgeschirmt bleibt, sind rund 450 m möglich. Danach übernehmen U-Boote.

Was im Körper passiert
Der menschliche Körper ist erstaunlich gut auf das Tauchen vorbereitet. Verantwortlich ist der Tauchreflex, den wir mit Meeressäugern teilen.
Er wird ausgelöst, sobald das Gesicht kaltes Wasser berührt, und läuft in drei Schritten ab:
- Der Puls sinkt. Bei trainierten Apnoetauchern fällt er auf 20 bis 30 Schläge je Minute.
- Die Blutgefäße in Armen und Beinen verengen sich. Das Blut sammelt sich im Rumpf, wo es gebraucht wird.
- Blut wird in den Brustkorb verlagert. Es füllt die Lunge von innen und verhindert, dass sie unter der Last zusammenfällt.
Ohne diesen dritten Punkt wäre in großer Tiefe Schluss. Die Lunge wird auf einen Bruchteil ihres Volumens zusammengepresst, und erst die Blutverlagerung macht den Rest möglich.
Die Milz spielt ebenfalls mit: Sie zieht sich zusammen und gibt zusätzliche rote Blutkörperchen ab. Der Sauerstoffvorrat steigt dadurch um einige Prozent. Besonders bei trainierten Tauchern fällt dieser Effekt ins Gewicht.
Ein anderer Reflex läuft übrigens genauso automatisch ab und hat mit Schutz zu tun: warum man niest.
Die gefährlichste Phase ist der Aufstieg
Beim Abtauchen steigt der Umgebungsdruck, der Sauerstoff in der Lunge bleibt dadurch gut verfügbar. Beim Auftauchen kehrt sich das um.
Der Umgebungsdruck fällt, das Lungenvolumen nimmt zu, und der Sauerstoffpartialdruck sackt ab. Genau in den letzten zehn Metern verlieren Apnoetaucher am häufigsten das Bewusstsein, obwohl sie sich Sekunden vorher noch gut fühlten. Deshalb gilt beim Freitauchen eine unverhandelbare Regel: nie allein, immer mit Sicherungspartner an der Wasseroberfläche.
Für Gerätetaucher stellt sich die Gefahr anders dar. Steigen sie zu zügig auf, dehnt sich die Luft in der Lunge aus und kann sie schädigen. Dazu kommt die Dekompressionskrankheit durch Stickstoffblasen.
Wie lange kann ein Mensch die Luft anhalten?
Ohne Training schaffen die meisten 30 bis 60 Sekunden. Mit Übung wird daraus schnell deutlich mehr, weil ein großer Teil der Grenze mental ist.
Der Atemreiz kommt nicht vom Sauerstoffmangel, sondern vom steigenden Kohlendioxid im Blut. Trainierte Apnoetaucher gewöhnen sich daran, dieses Gefühl auszuhalten, und können dadurch lange die Luft anhalten.
Im statischen Apnoetauchen, also ruhig im Wasser liegend, liegen die Bestmarken bei über elf Minuten. Mit vorherigem Atmen von reinem Sauerstoff wurden sogar über 24 Minuten erreicht, was allerdings eine eigene Kategorie ist.
Ein Warnhinweis, der ernst gemeint ist: Hyperventilieren vor dem Abtauchen ist lebensgefährlich. Es senkt das Kohlendioxid, der Atemreiz bleibt aus, und der Taucher wird ohnmächtig, bevor er merkt, dass ihm die Luft fehlt. Einen solchen Versuch sollte niemand unternehmen.

Die tiefste Stelle im Meer
Ganz unten war der Mensch nur im U-Boot. Die tiefste Stelle der Weltmeere liegt im Marianengraben, im sogenannten Challengertief.
1960 erreichten Jacques Piccard und Don Walsh mit der Trieste 10.912 Meter. Damals war Piccard 37 Jahre alt. Fast 60 Jahre später kam Victor Vescovo mit einem modernen Boot auf 10.928 m, und das unbemannte japanische Gerät Kaiko maß an einem einzigen Tag 11.034 m.
Im Marianengraben herrschen über 1.000 Bar. Kein menschlicher Körper hält das aus, auch nicht für Sekunden. Was dort möglich ist, ist eine Frage von Stahl und Titan, nicht von Training. Selbst die besten Werkstoffe verwenden die Konstrukteure dort an ihrer Belastungsgrenze.
Häufige Fragen
Wie tief kann ein Mensch ohne Gerät tauchen?
Der Weltrekord liegt bei 214 Metern in der Disziplin No Limits. Ohne Hilfsmittel sind über 130 m dokumentiert.
Wie tief darf man mit Pressluft tauchen?
Für Sporttaucher gelten 40 m als Limit. Darüber hinaus braucht es spezielle Gasgemische und eine eigene Ausbildung.
Was ist der Tauchreflex?
Eine automatische Reaktion auf kaltes Wasser im Gesicht: Der Puls sinkt, die Gefäße verengen sich, Blut wird in den Brustkorb verlagert.
Wie lange hält ein Mensch die Luft an?
Untrainiert 30 bis 60 Sekunden, im Wettkampf über elf Minuten.
Was ist ein Tiefenrausch?
Ab etwa 30 m wirkt Stickstoff narkotisch. Die Folge sind Euphorie und Fehleinschätzungen, ähnlich wie bei Alkohol.
Warum ist das Auftauchen gefährlicher?
Weil der Umgebungsdruck fällt und der Sauerstoff in der Lunge dadurch schlechter verfügbar wird. Die meisten Zwischenfälle passieren in den letzten Metern.
Wie tief ist der Marianengraben?
Knapp 11.000 m. Erreicht wurde diese Tiefe nur mit U-Booten.
*Zuletzt aktualisiert: September 2026.*

