Wer seit Jahren denselben Vertrag hat, zahlt fast immer einen zu hohen Preis. Der Abstand zwischen dem Grundtarif und den günstigsten Angeboten liegt oft bei mehreren hundert Euro. Ein Gaspreisvergleich dauert zehn Minuten, der Wechsel selbst kostet nichts.
Dieser Ratgeber zeigt, wie du Gaspreise richtig vergleichst, welche Fallen im Gastarif stecken und wie Verbraucher den Wechsel praktisch abwickeln.
Womit du rechnen musst
Ein paar Orientierungswerte, bevor es losgeht. Anfang 2026 lag der aktuellen Marktlage nach der Preis für Gas bei Neukunden bei etwa 9,6 Cent pro Kilowattstunde (kWh), gut 13 Prozent unter dem Vorjahr. Bestandskunden erhalten dagegen im Schnitt etwa 11 Cent. Diese Zahlen solltest du kennen, bevor du vergleichst.
| Haushalt | Jahresverbrauch | Kosten bei 9,6 ct | Kosten bei 11 ct |
|---|---|---|---|
| Wohnung, 2 Personen | 12.000 kWh | rund 1.150 € | rund 1.320 € |
| Wohnung, 4 Personen | 18.000 kWh | rund 1.730 € | rund 1.980 € |
| Einfamilienhaus | 20.000 kWh | rund 1.920 € | rund 2.200 € |
Die Differenz von 1,4 Cent klingt klein und macht bei 20.000 kWh Gas rund 280 Euro pro Jahr aus. Genau darum geht es beim Gaspreisvergleich.
Gut zu wissen: Ein Drittel des Bruttopreises sind Steuern, Abgaben und Umlagen. Diesen Teil kannst du nicht beeinflussen, falls du nach Sparpotenzial suchst. Die Gasspeicherumlage ist zum 1. Januar 2026 entfallen, der CO2-Preis liegt 2026 bei 65 Euro je Tonne und steigt weiter.
Gasanbieter wechseln: So läuft der Gaspreisvergleich
- Gasverbrauch heraussuchen. Der aktuellen Abrechnung entnimmst du den Gasverbrauch in Kilowattstunden. Ohne diesen Wert ist jeder Gaspreisvergleich in der Regel eine Schätzung.
- Postleitzahl und Verbrauch eingeben. Beides bestimmt die Netzentgelte und damit den Preis pro Kilowattstunde.
- Filter richtig setzen. Sortiere nach Gesamtkosten im ersten Jahr, prüfe aber auch, was der Tarif danach kostet.
- Mindestens zwei Portale nutzen. Nicht jeder Tarif ist überall gelistet.
- Direkt beim Anbieter gegenprüfen. Manche günstigsten Gastarife gibt es nur auf dessen eigener Website.
Ein Hinweis zu den Voreinstellungen: Viele Rechner blenden nur Angebote mit Bonus ein und sortieren danach. Schalte diese Filter ab und sieh dir auch Angebote ohne Wechselbonus an. Sie sind im zweiten Jahr oft die günstigsten.
Worauf du beim Tarif achten musst
| Merkmal im Tarif | Was gut ist |
|---|---|
| Preisgarantie | mindestens 12 Monate, idealerweise auf den gesamten Arbeitspreis |
| Laufzeit des Vertrags | 12 Monate, nicht länger |
| Kündigungsfrist | maximal 6 Wochen zum Ende |
| Verlängerung | höchstens ein Monat, nicht ein ganzes Jahr |
| Zahlweise | monatlicher Abschlag, möglichst keine Vorkasse |
| Bonus | nett, aber zweitrangig |
Wer den Gasanbieter wechseln möchte, achtet besonders auf die Preisgarantie. Sie sollte den Arbeitspreis umfassen und nicht nur Netzentgelte oder Abgaben. Eine eingeschränkte Garantie ist für Verbraucher praktisch wertlos, weil sie genau den Teil ausklammert, dessen Höhe sich ändert.
Der zweite ist die Vorkasse. Wer ein Jahr im Voraus zahlt, gibt dem Anbieter einen zinslosen Kredit und steht bei einer Insolvenz als einfacher Gläubiger da. Das Risiko ist den Rabatt nicht wert.
Beim Thema Gastarif und Bonus lohnt eine Nebenrechnung. Ein Neukundenbonus von 200 Euro macht anfangs viel aus und fällt danach weg. Rechne deshalb beide Zeiträume durch, bevor du dich entscheidest.

Grundversorgung oder Sondervertrag?
In der Grundversorgung landest du automatisch, wenn du nie aktiv einen Vertrag über Gas abgeschlossen hast. Dieser Tarif ist der teuerste, dafür der flexibelste:
- Kündigungsfrist zwei Wochen, jederzeit.
- Keine Mindestlaufzeit im Vertrag.
- Versorgungssicherheit, denn der Grundversorger muss jeden mit Gas beliefern.
Ein Gasvertrag als Sondervertrag ist günstiger, bindet dich aber für die vereinbarte Vertragslaufzeit. Für die meisten Verbraucher ist das die richtige Wahl, solange die Laufzeit zwölf Monate nicht überschreitet.
Woraus sich der Gaspreis zusammensetzt
Wer versteht, wofür er zahlt, verhandelt besser. Der Bruttopreis je Kilowattstunde besteht aus drei Blöcken:
| Block | Anteil | Beeinflussbar? |
|---|---|---|
| Beschaffung und Vertrieb | etwa 45 Prozent | ja, über den Wechsel |
| Netzentgelte | etwa 23 Prozent | nein, abhängig vom Wohnort |
| Steuern, Abgaben, Umlagen | etwa 32 Prozent | nein |
Nur der erste Block lässt sich über den Gaspreisvergleich senken. Deshalb fällt der Unterschied zwischen den Anbietern nie so groß aus, wie die Prozentdifferenz im Rechner suggeriert. Wer 30 Prozent günstiger einkauft, senkt deine Rechnung um 13 Prozent.
Im Steuerblock stecken Energiesteuer, Umsatzsteuer, die CO2-Abgabe und die Netzumlagen. Der CO2-Preis liegt 2026 bei 65 Euro je Tonne und steigt in den Folgejahren weiter, was den Gaspreis unabhängig vom Anbieter langsam nach oben zieht. Die Gasspeicherumlage ist zum 1. Januar 2026 entfallen, was den Preis einmalig entlastet hat.
Für dich heißt das: Ein Wechsel bringt Geld, ersetzt aber keine Verbrauchssenkung. Beides zusammen wirkt am stärksten, falls du die Höhe deiner Rechnung deutlich drücken willst.
Den Abschlag richtig einstellen
Der monatliche Abschlag ist eine Vorauszahlung auf deinen geschätzten Jahresverbrauch. Er sagt nichts darüber aus, ob dein Gastarif günstig ist, sorgt aber regelmäßig für Ärger.
Zwei Fehler machen Kunden besonders oft:
Zu niedrig angesetzt. Die Nachzahlung kommt am Jahresende auf einen Schlag. Wer bewusst klein rechnet, um monatlich Luft zu haben, verschiebt das Problem nur.
Zu hoch angesetzt. Du gibst dem Anbieter ein zinsloses Darlehen. Das Geld liegt ein Jahr fest und kommt erst mit der Abrechnung zurück.
Richtig ist ein Betrag, der dem erwarteten Verbrauch an Gas entspricht. Nach einem Wechsel, nach einer Sanierung oder wenn sich die Personenzahl ändert, solltest du ihn anpassen lassen. Das geht formlos und muss vom Versorger umgesetzt werden, solange die Schätzung plausibel ist.
Ökogas: Worauf du achten musst
Der Begriff Ökogas ist nicht geschützt, und genau das macht ihn schwierig. In der Praxis gibt es drei Varianten:
- Kompensiertes Erdgas. Es fließt normales Gas, der Anbieter kauft Klimazertifikate. Der häufigste Fall, und der schwächste.
- Anteiliges Biogas. Ein bestimmter Prozentsatz stammt aus Biomasse, meist fünf bis zwanzig Prozent.
- Reines Biomethan. Selten und deutlich teurer.
Wenn dir der Punkt wichtig ist, achte auf eine unabhängige Zertifizierung und darauf, wie hoch der Biogasanteil ist. Ein Name mit dem Wort Öko reicht als Nachweis nicht.
Was beim Umzug gilt
Der Wechsel des Gasanbieters wird beim Umzug oft vergessen, und Verbraucher landen ungewollt in der teuren Grundversorgung. So vermeidest du das:
- Sonderkündigungsrecht nutzen. Mieter können beim Umzug den bestehenden Gasvertrag mit vier Wochen Frist kündigen, auch bei laufender Vertragslaufzeit.
- Mitnahme prüfen. Viele beliefern dich am neuen Wohnort weiter, oft zu anderen Konditionen. Vergleiche vorher, ob ein neuer Gastarif günstiger ist.
- Neuen Gasvertrag rechtzeitig abschließen, möglichst anderthalb Monate vor dem Einzug.
- Zählerstand am Einzugstag ablesen und fotografieren. Das ist dein Beleg gegenüber beiden Versorgern.
- Nichts unterschreiben lassen, was der Vormieter angeschoben hat. Als Mieter haftest du sonst für dessen Gasvertrag.
Meldest du dich nicht selbst, beliefert dich automatisch der örtliche Grundversorger mit Gas. Das ist bequem und teuer.
So läuft der Wechsel ab
Der eigentliche Wechsel ist unspektakulärer, als viele denken. Die Verbraucherzentrale beschreibt den Ablauf so: Ein Ausfall wegen eines Anbieterwechsels ist ausgeschlossen, niemand muss in die Wohnung, der Wechsel ist kostenlos und darf nicht länger als drei Wochen dauern.
Der Ablauf im Einzelnen:
- Du schließt den neuen Gastarif online ab.
- Der neue Gasanbieter übernimmt die Kündigung, du musst nichts selbst schreiben.
- Der Netzbetreiber ändert sich nicht, nur der Lieferant für dein Gas.
- Du erhältst eine Bestätigung mit dem Starttermin für die Belieferung mit Gas.
- Zum Stichtag liest du den Zählerstand am Gaszähler ab und meldest ihn.
- Der bisherige Anbieter schickt die Schlussrechnung, meist binnen sechs Wochen.
Das Gas fließt physisch durch dieselbe Leitung weiter. Es ändert sich nur, wer die Rechnung schreibt.

Das Sonderkündigungsrecht nutzen
Kündigt dein Anbieter eine Preiserhöhung an, erhalten Verbraucher ein Sonderkündigungsrecht. Es gilt unabhängig von der Vertragslaufzeit und auch dann, falls die reguläre Frist längst abgelaufen wäre.
Drei Punkte dazu:
- Die Ankündigung muss dir rechtzeitig und in Textform zugehen, direkt und nachweisbar.
- Du kannst zum Zeitpunkt der Erhöhung kündigen und in einen günstigeren Tarif wechseln.
- Auch eine Erhöhung nur der Abgaben löst dieses Recht aus, wenn der Vertrag nichts anderes regelt.
Genau dann solltest du handeln. Wenn die Preiserhöhung ins Haus flattert, lohnt sich ein Gaspreisvergleich am meisten.
Wie oft lohnt sich der Vergleich?
Einmal jährlich genügt, am besten zwei bis drei Monate vor Ablauf der Vertragslaufzeit. Setz dir eine Erinnerung, sonst verlängert sich der Vertrag stillschweigend zu meist schlechteren Konditionen.
Wer den Gasanbieter wechseln will, kann realistisch 15 bis 30 Prozent gegenüber der Grundversorgung sparen. Bei 20.000 kWh Gas sind das 300 bis 600 Euro im Jahr sparen, für zehn Minuten Aufwand.
Häufige Fehler
- Nur auf den Bonus schauen. Er fällt im zweiten Jahr weg.
- Verbrauch schätzen statt ablesen. Führt regelmäßig zu falschen Angeboten.
- Vorkassetarife wählen. Hohes Risiko bei geringem Vorteil.
- Lange Laufzeiten akzeptieren. 24 Monate binden dich durch zwei Preisrunden, ganz ohne Ausstiegsmöglichkeit.
- Kündigungsfrist verpassen. Der häufigste Grund, warum Verbraucher in einem teuren Tarif bleiben.
- Ökogas ungeprüft buchen. Achte auf echte Zertifizierung, nicht nur auf das Wort im Tarifnamen.
Häufige Fragen
Wie viel kann ich durch einen Wechsel sparen?
Gegenüber der Grundversorgung realistisch 15 bis 30 Prozent, bei einem Einfamilienhaus also 300 bis 600 € jährlich.
Wie lange dauert der Wechsel?
Höchstens drei Wochen. Die Belieferung läuft dabei ohne Unterbrechung weiter.
Was passiert, wenn mein neuer Anbieter insolvent geht?
Der Grundversorger übernimmt automatisch die Lieferung. Eine Versorgungslücke entsteht nicht.
Was ist eine Preisgarantie wert?
Viel, wenn sie den Arbeitspreis umfasst. Eine Garantie nur auf Abgaben und Netzentgelte schützt kaum.
Kann ich in der Grundversorgung jederzeit kündigen?
Ja, mit zwei Wochen Frist. Die Kündigung sollten Verbraucher schriftlich einreichen.
Wo spare ich außerdem bei den Energiekosten?
Beim Strom. Konkrete Zahlen dazu stehen in unseren 10 Tipps zum Stromsparen. Wer über einen Heizungswechsel nachdenkt, findet die Alternative in unserem Beitrag dazu, wie Fernwärme funktioniert.
*Zuletzt aktualisiert: September 2026. Preisangaben sind Marktschätzungen und ersetzen keinen individuellen Vergleich.*

