Salz auf den Handrücken zwischen Daumen und Zeigefinger, ein Zug, hinterher in die Zitronenscheibe beißen: So kennt man es aus deutschen Bars. In Mexiko schaut man dabei allerdings verwundert zu, denn dieses Ritual gibt es dort in der Form gar nicht. Guten Tequila trinken Mexikaner pur, ganz langsam und in kleinen Schlucken.
Das heißt nicht, dass Limette und Salz falsch sind. Sie passen nur zu einer bestimmten Art von Tequila. Dieser Beitrag erklärt, wie man Tequila richtig trinkt, welche Gläser passen und was es mit der traditionellen mexikanischen Variante auf sich hat.
Die Sorten und ihre Trinkweise
Welcher Weg der richtige ist, entscheidet die Reifung. Der Consejo Regulador del Tequila, die offizielle Regulierungsbehörde in Mexiko, unterscheidet fünf Kategorien:
| Sorte | Reifung im Holzfass | Wie man sie genießt |
|---|---|---|
| Tequila Blanco | keine, bis zu 4 Wochen im Stahltank | gekühlt pur, mit Limette und Salz oder im Cocktail |
| Joven, auch Tequila Gold | verschnitten oder gefärbt | meist im Cocktail |
| Tequila Reposado | mindestens 2 Monate | pur bei Zimmertemperatur |
| Añejo | mindestens 1 Jahr | pur genießen wie einen guten Whisky |
| Extra Añejo | mindestens 3 Jahre | langsam und ganz ohne Beiwerk |
Die Faustregel lautet: Je länger die Reifung, desto weniger gehört dazu. Ein Tequila Blanco ist frisch, krautig und pfeffrig und verträgt Begleitung. Lange gereifte Sorten haben Vanille- und Karamellnoten aus dem Eichenfass, und dieser Geschmack verschwindet hinter jeder Zitronenscheibe.
Pur genießen: Glas und Temperatur
Der klassische Shotglas-Becher ist für hochwertigen Tequila die schlechteste Wahl, weil sich die Aromen darin nicht entfalten können. Besser sind zwei Alternativen:
- Das Caballito, ein hohes, schmales Glas, ist in Mexiko der Standard für Blanco.
- Ein Nosing-Glas oder Cognacschwenker eignet sich für gereifte Sorten. Die bauchige Form sammelt die Aromen.
Serviert wird ein junger Tequila leicht gekühlt, etwa bei 12 bis 16 Grad. Ältere Sorten kommen bei Zimmertemperatur ins Glas, so entfalten sich die typischen Aromen am besten. Eis gehört nicht hinein, weil es den Geschmack verwässert, höchstens in den Cocktail.
Trinken solltest du über mehrere Minuten, nicht als Tequila im Zug. Genau das ist der Unterschied zwischen Shot und Genuss.

Das Ritual mit Salz und Limette
Dieses Ritual ist nicht verboten, es gehört zum jungen Tequila. Und selbst dort läuft es in Mexiko anders herum als hierzulande. So geht die traditionelle Reihenfolge:
- Eine Prise Salz auf das Fruchtfleisch einer Limettenspalte streuen, nicht an die Stelle am Handrücken.
- Hineinbeißen und kurz kauen.
- Erst danach einen Schluck Tequila trinken.
Säure und Salz holen bestimmte Aromen in den Vordergrund und reinigen den Gaumen. Wichtig ist der Unterschied zur deutschen Reihenfolge: Erst kommt die Frucht, dann das Getränk. Und es bleibt bei einem Schluck, nicht beim ganzen Glas.
Statt einer Zitrone gehört übrigens die grüne Frucht dazu. Zitronensaft ist schärfer in der Säure und übertönt mehr, als er hervorhebt. Wer nur Zitrone im Haus hat, nimmt eher weniger davon.
Sangrita: die mexikanische Begleitung
Wer den Tequila wirklich so trinken will wie in Jalisco, bestellt Sangrita dazu. Das ist ein würziger, alkoholfreier Saft aus Orangen, Limetten, Tomaten und einer Spur Chili, serviert im eigenen kleinen Glas.
Man nimmt abwechselnd erst das Getränk, dann einen Schluck aus dem zweiten Gefäß. Die Süße der Orangen und die Schärfe des Chili ergänzen die Agavennoten, ohne sie zu überdecken. Für einen jungen Tequila ist das die beste Art, ihn zu genießen.
Eine hübsche Variante ist die Bandera, benannt nach der mexikanischen Flagge: drei Gefäße nebeneinander mit Limettensaft in Grün, Tequila in Weiß und dem roten Saft. Diese Variante trinkt man ganz in Ruhe, im Wechsel.
Zimt und Orange für gereifte Sorten
Für gereifte Tequilas gibt es ein eigenes Ritual, das dieser Art zu trinken entspricht, aber besser zu den warmen Aromen passt: eine Orangenscheibe mit einer Prise Zimt bestäuben, hineinbeißen und einen Schluck nachtrinken. Diese Variante kennen in Deutschland die wenigsten.
Das klingt ungewöhnlich und funktioniert erstaunlich gut, weil Zimt und Vanille aus dem Fass dieselbe Richtung haben.

Tequila in Cocktails
Für Cocktails nimmt man junge Tequilas, nie einen lange gereiften. Die bekanntesten Klassiker:
- Margarita: Tequila, Triple Sec und frischer Limettensaft, im gesalzenen Rand.
- Paloma: in Mexiko beliebter als die Margarita, mit Grapefruitlimonade, Limettensaft und einer Prise Salz.
- Tequila Sunrise: mit Orangensaft und Grenadine, süß und mild.
- Batanga: Cola, Limettensaft, Salzrand, in Mexiko ein Alltagsgetränk.
Frisch gepresster Saft macht dabei den größten Unterschied im Geschmack. Fertigmischungen aus der Flasche schmecken nach Bonbon und ruinieren jeden hochwertigen Tequila.
Woraus Tequila überhaupt gemacht wird
Ein kurzer Blick in die Herstellung erklärt, warum die Tequilas so verschieden schmecken. Grundlage ist die Blaue Weber-Agave, eine Pflanze, die sieben bis zehn Jahre wächst, bevor sie geerntet wird. Verarbeitet wird nicht das Blatt, sondern das Herz, die sogenannte Piña, die bis zu 100 Kilogramm wiegen kann.
Die Piñas werden gegart, damit sich ihre Stärke in Zucker umwandelt, dann zerkleinert, vergoren und zweifach destilliert. Was danach ins Glas kommt, ist ein Blanco. Alles Weitere entsteht im Fass.
Genau deshalb schmeckt ein junger Tequila nach gekochter Agave, Zitrus und Pfeffer, während gereifte Tequilas Vanille, Karamell und Holz mitbringen. Wer beide nebeneinander probiert, versteht den Unterschied in einer Minute. Typische Aromen treten dabei umso deutlicher hervor, je langsamer du trinkst.
Woran du guten Tequila erkennst
Zwei Angaben auf dem Etikett genügen für eine erste Einschätzung:
„100 % de Agave“. Nur dann besteht das Getränk vollständig aus Blauer Weber-Agave. Fehlt der Hinweis, handelt es sich um einen Mixto, der bis zu 49 Prozent andere Zucker enthalten darf. Die meisten schlechten Erinnerungen gehen auf Mixto zurück, nicht auf hochwertige Tequilas.
Die NOM-Nummer. Diese vierstellige Zahl steht für die Brennerei, in der er hergestellt wurde. Sie erlaubt es, die Herkunft nachzuvollziehen.
Ein dritter Punkt ist die Farbe. Ein Tequila Gold muss nicht lange im Fass gelegen haben, denn diese Art darf gefärbt werden. Tiefes Gold heißt also nicht automatisch Qualität: Verlass dich auf die Kategorie, nicht auf den Farbton.
Tequila oder Mezcal?
Beide werden aus Agaven gebrannt, der Unterschied liegt im Detail. Ein Tequila stammt ausschließlich aus der Blauen Weber-Agave und im Wesentlichen aus der Region um Jalisco. Mezcal darf aus vielen Agavenarten hergestellt werden und kommt meist aus Oaxaca.
Geschmacklich ist Mezcal rauchiger, weil die Agavenherzen traditionell in Erdöfen über Holzkohle gegart werden. Jeder Tequila ist streng genommen ein Mezcal, aber nicht jeder Mezcal ist ein Tequila.
Häufige Fragen
Wie trinkt man Tequila richtig?
Gereifte Sorten pur trinken, langsam und aus einem bauchigen Glas. Einen Blanco gekühlt, pur oder mit Limette und Salz.
Trinkt man Tequila wirklich mit Salz und Zitrone?
In Mexiko nur bei jungem Tequila, und in anderer Reihenfolge: Salz auf die Limette, hineinbeißen, dann trinken. Zitrone ist dabei eher unüblich.
Was ist Sangrita?
Ein alkoholfreier, würziger Saft aus Orange, Limette, Tomate und Chili, den man abwechselnd zum Tequila trinkt.
Welches Glas nimmt man?
Für einen Blanco das schmale Caballito, für gereifte Sorten ein Nosing-Glas.
Gehört Eis hinein?
Beim puren Genuss nicht, es verwässert die Aromen. Im Cocktail ist Eis dagegen üblich.
Was ist ein Mixto?
Ein Tequila mit nur 51 Prozent Agavenanteil. Achte auf den Hinweis „100 % de Agave“ auf dem Etikett.
*Zuletzt aktualisiert: September 2026. Alkohol in Maßen: Das Jugendschutzgesetz erlaubt Spirituosen erst ab 18 Jahren, mehr dazu in unserem Beitrag dazu, wie lange 15-Jährige draußen bleiben dürfen. Wer Tischsitten spannend findet, liest weiter bei Essen mit Stäbchen.*

