Die meisten werdenden Mütter merken irgendwann in der Mitte der Schwangerschaft, dass die Geburt keine abstrakte Sache mehr ist. Genau dann beginnt die Geburtsvorbereitung, und sie besteht aus mehr als einem Kurs.
Geburtsvorbereitungskurse sind dabei nur ein Baustein. Der folgende Fahrplan geht alle Schritte in der Reihenfolge durch, in der sie tatsächlich anfallen, von der Suche bis zur mentalen Einstimmung auf die bevorstehende Geburt.
Schritt 1: Ab SSW 20 nach Kursen suchen
Das klingt früh, ist es aber nicht. Gute Kurse zur Geburtsvorbereitung sind schnell ausgebucht, in großen Städten oft Monate im Voraus.
Suche parallel an drei Stellen:
- Bei der Hebamme, die dich betreut, oder über die Hebammenzentrale deiner Region
- Beim Geburtshaus oder der Klinik, in der du entbinden möchtest
- Bei Familienbildungsstätten und Volkshochschulen, die solche Kurse ebenfalls anbieten
Wichtig ist, dass der Kurs von einer kassenseitig zugelassenen Hebamme oder einer zugelassenen Physiotherapeutin geleitet wird. Nur ein von einer Hebamme geleiteter Kurs wird von der Krankenkasse übernommen. Frag im Zweifel einfach direkt nach der Zulassung.
Schritt 2: Den richtigen Zeitpunkt treffen
Ein klassischer Geburtsvorbereitungskurs läuft über mehrere Wochen und beginnt sinnvollerweise zwischen SSW 25 und SSW 30. Diese Art der Geburtsvorbereitung ist die mit Abstand verbreitetste.
Die AOK schreibt in ihren Hinweisen zum Geburtsvorbereitungskurs, dass sie die Kosten für bis zu 14 Stunden trägt und der Kurs spätestens etwa drei bis vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin beendet sein sollte. Andere gesetzliche Kassen handhaben es ähnlich.
Diese Frist hat einen praktischen Grund: Der Termin ist ein Richtwert, und ein Kind hält sich nicht daran. Ein Kurs, der erst danach endet, nützt nichts mehr. Außerdem wird die Schwangerschaft zum Ende hin körperlich anstrengend, und lange Abendtermine fallen dann schwer.
| Format | Ablauf | Für wen |
|---|---|---|
| Abendkurs | 7 bis 8 Termine à 2 Std. | wer sich die Zeit gut einteilen kann |
| Wochenendkurs | Freitag bis Sonntag am Stück | Berufstätige und Paare |
| Onlinekurs | live zu festen Terminen | ländliche Regionen, zweite Geburt |
| Kurs nur für Schwangere | ohne Begleitung | wer offener reden möchte |
| Spezielle Angebote | Yoga, Hypnobirthing, Aquafitness | ergänzend, meist selbst zu zahlen |
Vorsicht bei Onlineangeboten: Kassen zahlen in der Regel nur Live-Kurse zu festen Terminen, keine vorab aufgezeichneten Videos. Zusätzliche Möglichkeiten wie Yoga für Schwangere werden häufig angeboten, aber selten erstattet.

Schritt 3: Was im Kurs passiert
Die Inhalte ähneln sich, egal wer den Kurs anbietet. Folgende Themen kommen fast immer vor und liefern die wichtigsten Informationen für die Zeit der Geburt:
- Ablauf der Geburt: Eröffnungsphase, Austreibungsphase, Nachgeburt
- Atem- und Entspannungstechniken für die Wehen, mit Übungen zum Mitmachen
- Gebärpositionen und was sie jeweils erleichtern
- Schmerzlinderung: von Wärme und Massage bis zur PDA
- Schwangerschaftsgymnastik, die den Körper gezielt kräftigt
- Die erste Zeit danach: Wochenbett, Stillen, Pflege des Neugeborenen
Der eigentliche Wert liegt oft daneben. Im Kurs kannst du all die Fragen stellen, die im Fünfminutentermin beim Arzt untergehen, und du triffst andere werdende Mütter und Väter, die gerade dieselben Unsicherheiten haben. Dort erfahren viele zum ersten Mal, dass ihre Sorgen ganz normal sind.
Die Hebamme erklärt dabei auch, woran du erkennst, wann es losgeht und wann du in die Klinik aufbrechen solltest. Dieses Wissen stellt sicher, dass du im Ernstfall nicht raten musst.
Schritt 4: Den Partner einbeziehen
Viele Kurse richten sich ausdrücklich an Paare, meist an ein oder zwei Terminen. Dort lernt dein Partner konkrete Handgriffe, mit denen er dich während der Geburt unterstützen kann: Gegendruck am Kreuzbein, Halten in bestimmten Positionen, das Ansagen der Atmung. Zum Beispiel hilft schon festes Drücken auf das Kreuzbein gegen Rückenwehen.
Bei den Kosten gilt eine Besonderheit: Die gesetzliche Kasse übernimmt den Anteil für werdende Väter und andere Begleitpersonen meist nicht. Einige Kassen zahlen freiwillig einen Zuschuss, fragen lohnt sich also vorher.
Wer als Partner nicht mitkommen kann, sollte wenigstens zwei Dinge wissen: wo die Klinik ist und was in der Tasche liegt. Auch das ist eine Form von Unterstützung.

Schritt 5: Ab SSW 36 die Tasche packen
Spätestens einen Monat vor dem errechneten Geburtstermin steht die Kliniktasche. Was hineingehört:
- Unterlagen: Mutterpass, Personalausweis, Versichertenkarte, Einweisung
- Für die Geburt: bequemes Shirt, warme Socken, Haargummi, Lippenpflege
- Für danach: Still-BH, Wochenbetteinlagen, Nachthemd zum Öffnen vorn
- Fürs Baby: ein Body, ein Strampler, Mütze, Decke
- Verpflegung: Traubenzucker, Riegel, eine Flasche Wasser
Die Babyschale muss zusätzlich im Auto liegen. Ohne sie darfst du mit dem Kind nicht nach Hause fahren.
Schritt 6: Die mentale Vorbereitung
Der Teil, den Checklisten selten abdecken. Ängste vor der Geburt sind normal, und sie verschwinden nicht dadurch, dass man sie ignoriert.
Was hilft:
- Einen Geburtsplan schreiben, aber locker. Er ist ein Wunschzettel, keine Vereinbarung.
- Die Klinik vorher ansehen. Fast alle Häuser bieten Informationsabende oder Kreißsaalführungen an.
- Über die Ängste sprechen, gemeinsam mit der Hebamme oder im Kurs. Meistens teilen andere sie.
- Entspannungstechniken üben, solange Ruhe ist. Unter der Geburt lässt sich nichts Neues lernen.
- Sich bewusst Zeit nehmen, so lange es geht. Die letzten Wochen sind die ruhigsten für lange Zeit.
Und ein realistischer Gedanke zum Schluss: Geburten laufen selten so ab wie geplant. Die Vorbereitung sorgt nicht für einen bestimmten Verlauf, sie sorgt dafür, dass dich der tatsächliche Verlauf nicht überrumpelt. Am besten fühlt sich vorbereitet, wer weiß, dass nicht alles planbar ist.
Wie es danach weitergeht, steht im Beitrag über erfolgreiche Kindererziehung. Passendes erstes Spielzeug findest du im Beitrag über Spielzeug ab 6 Monaten, und wer noch am Anfang der Familienplanung steht, findet Zahlen im Beitrag zur Fruchtbarkeit nach Alter.
Häufige Fragen
Wann beginnt die Geburtsvorbereitung?
Mit der Kurssuche etwa ab Woche 20, mit dem Kurs selbst zwischen Woche 25 und 30.
Was kostet ein Geburtsvorbereitungskurs?
Für Schwangere meist nichts, weil die Kasse bis zu 14 Stunden zahlt. Der Anteil für die Begleitperson wird separat berechnet und unterscheidet sich je nach Anbieter deutlich.
Zahlt die Krankenkasse den Geburtsvorbereitungskurs?
Ja, sofern eine zugelassene Hebamme oder Physiotherapeutin ihn leitet. Für Partner gilt das in der Regel nicht.
Was lernt man im Geburtsvorbereitungskurs?
Ablauf der Geburt, Atem- und Entspannungstechniken, Gebärpositionen, Schmerzlinderung sowie Grundlagen zu Wochenbett und Stillen.
Ab welcher Schwangerschaftswoche ist der Kurs sinnvoll?
Ab etwa Woche 25. Er sollte drei bis vier Wochen vor dem errechneten Termin abgeschlossen sein.
Was gehört in die Kliniktasche?
Mutterpass und Ausweis, bequeme Kleidung, Still-BH und Einlagen, Erstausstattung fürs Baby und etwas zu essen.
Wie bereitet man sich mental auf die Geburt vor?
Klinik ansehen, Ängste aussprechen, Entspannung üben und den Geburtsplan als Wunsch statt als Vorgabe verstehen.
Ist ein Geburtsvorbereitungskurs Pflicht?
Nein. Er ist freiwillig, gilt aber besonders beim ersten Kind als sehr hilfreich.
*Zuletzt aktualisiert: September 2026.*


